Lernlust

Ciao,

Bob, der Artikel schreibt, die ich gerne lese und mit dem die Kommunikation oft herrlich einfach ist, hat zu einer Blogparade mit dem Stichwort „Lernlust“ aufgerufen. Es geht darum, dass man zu diesem Stichwort seine Gedanken niederschreibt. Vorsätzlich soll es um das eigene Erleben in der Schule gehen. Inzwischen gibt es einige Beiträge, die wirklich interessant sind und von verschiedensten Erfahrungen berichten. Das hat mich zum nachdenken gebracht. Wie war es in meiner Schulzeit?

Meine Erinnerungen an die Schule sind gut. Ich bin gerne zur Schule gegangen. Ja, immer. Ein Auszug aus meinen Erinnerungen:

  • Mein Chemielehrer in Klasse 11, der es schaffte aus dem Raum in den Vorbereitungsraum zu gehen und von dort über den Flur wieder zurück in den Raum. Während der ganzen Zeit erzählte er uns etwas über die Chemie im festen Glauben wir hätten alles hören können.
  • Die Kommentare zu unserer kleinen Physiklehrerin in der Oberstufe als es um Relativität und Masse und Länge ging.
  • Die Kunstlehrerin, die uns den Dachboden hat neugestalten lassen. Innenarchitektur im Bauhausstil – wahnsinnig spannendes Projekt.
  • Die Mathelehrerin seit der 10. Klasse, die mich besonders förderte und dadurch meine Liebe zur Mathematik weckte, aber gleichzeitig sehr verletzende Kommentare unter Arbeiten von Freunden schrieb.
  • Der Standardbeginn im Matheunterricht – einer stellt die Lösung der Hausaufgaben an der Tafel vor. Ein „Ich kam an dieser Stelle nicht weiter“ galt als Entschuldigung, ein „Ich konnte es nicht“ ohne den Versuch dabei zu haben nicht.
  • Der Disput mit dem Deutschlehrer der Oberstufe, weil er Noten nach Sympathie vergab. Ich habe bewusst wenig gemacht und schlechte Noten provoziert, sie aber nicht erhalten. Er mochte mich für meine Art zu sagen, wenn mir was nicht passt.
  • Russische Geburtstagslieder zu singen ohne zu wissen, was man da eigentlich singt 🙂
  • Chorfahrten, bei denen jahrgangsübergreifend gefeiert wurde.
  • Die Standpauke nach einer schlechten Klassenarbeit in Bio – „Die Arbeit wird als Test gewertet, wir schreiben sie nochmal“ und 10 Minuten später „Wer seine Note nicht möchte, kommt bitte nach vorn, um sie streichen zu lassen.“ Meine 5 aus dem ersten Test durfte ich nicht streichen. Dieses Verhalten war mit ein Grund, wieso ich Bio leichten Herzens abgewählt habe. Die Gefahr, bei dieser Lehrerin zu haben, war mir zu groß.
  • „Letzte Seite 1 bis 10“ der Standardsatz im Geounterricht in der Oberstufe – nie war mein Allgemeinwissen im Bereich Geo größer.

All die Erinnerungen zeigen relativ wenig über die Art des Unterrichten, sondern viel über meine Lehrer. Das bestätigt meine Meinung, dass der Unterricht in großem Maße von der Lehrperson abhängig ist. Der klassische Unterricht, den ich erlebt habe, war für mich mit diesen Lehrern exakt richtig. Sie haben mich gefördert und gefordert und mir damit die Freude am Lernen selten vermiest. Das Lernen für das Abitur – nun Deutsch und Englisch? Was will man da groß lernen? Für Mathe bestand meine Vorbereitung darin, anderen Nachhilfe zu geben. Und Geschichte? Laut meinen Eltern habe ich Weihnachten angefangen dafür zu lernen. Ich habe es schon total vergessen. Man beachte, dass ich 2007 Abitur gemacht habe!

Und Religion – da habe ich wirklich gute Erinnerungen. Meine Lehrerin hatte ich seit der 7. Klasse. Unser Kurs bestand bis zur 11. Klasse aus 13 Schülern und die Noten lagen zwischen 1 und 2 bei allen. Dann wurden wir mit einer anderen Schule fusioniert und plötzlich saßen wir mit 25 Schülern im Reliunterricht. Es war mir unverständlich, wie man in Religion bei dieser Lehrerin, die jede Meinung akzeptiert, wenn man sie begründen konnte, eine 4 oder eine 5 bekommen konnte. Im 2. Halbjahr der 13. Klasse hat sie uns drei Hefter hingelegt. Einen roten, einen blauen und einen gelben. In diesen waren viele verschiedene Aufgaben. Unsere Aufgabe im kompletten Halbjahr bestand darin aus jedem Hefter eine bestimmte Anzahl von Aufgaben zu bearbeiten. Da waren Dinge zum zeichnen, zum erörtern, zum erforschen, zum diskutieren und zum lesen bei. Sehr interessant und sehr vielfältig. Wir durften die Bearbeitung zu Hause machen und mussten somit theoretisch nur zu zwei Terminen da sein – der ersten Stunde, in der sie uns den Ablauf erklärte und der letzten Stunde zur Abgabe. In den anderen Stunden war sie anwesend für diejenigen, die in der Schule arbeiten wollen. Wir waren doch immer 5 bis 10, die freitags morgen die erste Doppelstunde freiwillig in die Schule kamen. Den letzten Schultag haben wir mit dieser Lehrerin zusammen auf einem Kirchturm bei der Schule mit einem Glas Sekt begrüßt. Religion war schon ein tolles Fach.

Im Studium. Nun da sind die Erinnerungen auch gut. Wir waren zu Beginn eine große Gruppe, die sich gemeinsam durch das Mathestudium half. Eine Situation ist wie eingebrannt. Ich saß mit einem Kumpel in einem Raum und wir versuchten uns an einem Beweis. Nach zwei Stunden harter Arbeit hatten wir 4 Zeilen auf dem Blatt stehen. Wir schauten uns an und waren fassungslos, weil in diesen 4 Zeilen die harte Arbeit nicht zu erkennen waren. Unser Freudenschrei, als wir feststellten, dass wir fertig sind, war dennoch laut. Die Mathematik hat mich so fasziniert, dass ich nach einem Auslandssemester in Italien (Mathe auf italienisch…. eine Herausforderung für sich) ein paralleles Studium begann und hoffentlich in diesem Jahr mein Bachelor of Science Mathematik beende. Warum? Weil es mir Spaß macht!

Ich lerne sehr gerne, weil mich viel interessiert. Wenn mich etwas nicht interessiert, dann beiße ich mich durch. Klar, dass das weniger Freude macht und es anstrengender ist, aber man lernt dabei viel fürs Leben. Nicht alles ist leicht und fliegt einem zu. Für manche Dinge muss man sich anstrengen und Arbeit hineinstecken, obwohl es keinen Spaß macht. Meine Lernlust ist ungebrochen und äußert sich auch heute noch in der Freude neue Dinge zu erlernen.

A Presto,

Frl. Sinus

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4 Kommentare zu “Lernlust

  1. Schön zu lesen, dass deine Lernlust ungebrochen ist! 🙂 Dass Schule/Unterricht immer am stärksten von der Lehrperson abhängt, da bin ich ganz bei dir.
    Puhh, als Mathe-Legastheniker meinen höchsten Respekt, Mathe auf Italienisch, B.Sc. … eieieiei.

  2. Pingback: Blogparade: Es war einmal die Lernlust | Bob Blume

  3. Die Lehrperson war mir auch am wichtigsten. Und da vor allem das Fachwissen. So richtig ungerechte Lehrer hab eich nie erlebt, von wegen Sympathie – aber immer wieder Lehrer, die die einen (ich) mochten und und die anderen (uh, andere) nicht. Gegen ruppige Art bin und war ich im immun. Aber so etwas wie bei deiner Biolehrerin hätte mich auch sehr gestört.

  4. Pingback: „Lernlust“: Auswertung der Blogparade | Bob Blume

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